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Konzert in Demenz-Wohngruppe

Erstes Konzert in der Demenz-Wohngruppe „Gut Rietberg“

der Diakonie Gütersloh in Rietberg auf dem alten Schlossgelände

 

„Ach, so etwas Schönes haben wir hier ja noch nie gehabt!“ - Die alte Dame ist ganz beseelt und begeistert von dem Konzert mit alten und bekannten Operetten-, Musical- und Filmhits der 30er bis 60er Jahre. Die Sängerin Nicole Schipplick und der Pianist Ivo Kanz, beide aus Bielefeld, haben sich ein wenig auf Auftritte in Seniorenheimen und Pflegeinstitutionen spezialisiert. Das Leuchten in den Augen der alten Damen und Herren wenn sie der Musik und dem Auftritt lauschen, spricht für sich: Nicht nur, dass die alten und wohl bekannten Melodien Erinnerungen wecken, sondern auch das Spiel für und mit dem Publikum begeistert. Da kommt der Sängerin und dem Pianisten einerseits ihre inzwischen große Erfahrung aus vielen Auftritten vor diesem dankbaren älteren Publikum entgegen. Für Nicole Schipplick aber insbesondere auch, dass die studierte Sozial- und Musikpädagogin hauptberuflich im Sozialdienst des Ernst-Barlach-Haus in Bielefeld-Sennestadt arbeitet. „Mit Musik geht vieles leichter, weckt selbst bei dementen Menschen freudige Gefühle und manchmal ganz tiefe Erinnerungen.“ Das Lächeln auf wachen Gesichtern und Blicke manchmal rational schwer zugänglicher Bewohner, die die meiste Zeit in eigenen Welten verbringen, spricht Bände. 

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Wohngruppen oder Pflegeeinrichtungen sind mitunter ganz erstaunt, wie Ihre Schützlinge auf die Musik reagieren. Da wird mitgesungen, geklatscht und bei sehr bewegungsbedürftigen Menschen auch mal das Tanzbein geschwungen, und nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner haben daran große Freude. Die Betreuenden scheinen selbst sehr gut unterhalten und voller Freude über die Musik - und ihre fröhlichen Bewohnerinnen und Bewohner. 

„Ganz besonders freut es mich, wenn auch schwerst pflegebedürftige und körperlich eingeschränkte Menschen einmal einen Ausflug in unterhaltsame musikalische Welten machen können. Bei uns im Haus werden sie dazu sogar im sogenannten Mutterschoß, einer Art Liegerollstuhl, in den Veranstaltungsraum gebracht.“ Berührungsängste haben die Bühnenprofis nicht: Selbst wenn es zwischendurch im Publikum mal lauter wird, weil vermeintliches Flüstern bei Schwerhörigkeit auch mal sehr deutlich werden kann, macht das den Musikern nichts mehr aus. Ganz im Gegenteil: Nicole Schipplick geht aufmerksam und sensibel mit den in diesem Zusammenhang manchmal ungewöhnlich lebendigem Publikum um. Da werden später hinzukommende „Fans“ einfach persönlich begrüßt, oder auf Zwischenrufe und Begeisterungsäußerungen einfach spontan reagiert.

 

Für Laien - und selbst manche Angehörige von Bewohnern - ist das ein sehr gemischtes Bild, dass so ein spezielles Publikum abgibt. Scheinbar teilnahmslos sind schwerst gezeichnete Menschen ganz in sich gekehrt, vielleicht einfach nur durch Klänge und Stimmungen erreicht, während andere, leichter demenziell Veränderte begeistert, lachend, mitklatschend die Lieder aus ihrer Vergangenheit sogar mitsingen können. Aber selbst die liebevollen und doch häufig jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen die eingängigen Refrains von Schlagern wie „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Pack die Badehose ein“, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ oder „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehen“ und singen eifrig mit. Und wenn dann „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ oder „Eine kleine Sehnsucht“ erklingt, dann glänzen viele Augen - gerade der älteren Damen in den verbliebenen Erinnerungen. 

Und vielleicht wird die begeisterte Zuhörerin die „so etwas Schönes ja noch nie gehört hat“ beim nächsten Konzert - oder auch schon am nächsten Tag - sich in ihrer beginnenden Demenz kaum bewusst erinnern. Der schöne Nachmittag hallt aber als Gefühl nach und es wird für sie so immer wieder wundervoll sein, und ihr und den anderen Gästen des „Gut Rietberg“ eine schöne Zeit bescheert haben.

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Kommentare: 9
  • #1

    Michaela Ataalla (Freitag, 27 Mai 2022 08:55)

    Wunderbar, dass du Freude in die vergessenen Ecken unserer Gesellschaft bringst!

  • #2

    Maria (Freitag, 27 Mai 2022 10:15)

    Eine schöne Idee liebe Nicole.

  • #3

    Lydia (Freitag, 27 Mai 2022 13:35)

    Als meine demente Mutter schon lange nicht mehr sprechen konnte war ihre Seele noch lange durch Musik erreichbar. Eine wundervolle Art Menschen glücklich zu machen!!

  • #4

    Andrea Wittler (Sonntag, 29 Mai 2022)

    Es ist wunderbar, den dementen Menschen durch die geweckten Gefühle so viel zu geben!

  • #5

    Julia (Sonntag, 29 Mai 2022 17:10)

    Dieser Beitrag beschreibt Dich wirklich gut und das was Du machst.
    Hoffentlich jetzt wieder ohne längere Unterbrechungen häufiger :-)

  • #6

    Claudia (Montag, 30 Mai 2022 14:10)

    Sowohl ältere Menschen mit Demenz, als auch Kinder mit Einschränkungen sind durch Musik oft noch erreichbar. Gute Idee, Nicole.

  • #7

    Jasmin (Dienstag, 31 Mai 2022 22:51)

    Was für eine gute Tat!! Wenn ich sehe das meine demente Schwiegermutter immer wieder versucht sich an Lieder zu erinnern geschweige denn zu singen obwohl ihr kaum noch Worte über die Lippen kommen. Danke Nicole das Du die Menschen mit deiner Musik glücklich machst.

  • #8

    MAJA (Mittwoch, 01 Juni 2022 15:58)

    Liebe Nicole! Mit deiner Musik erreichst du die Herzen aller Menschen.

  • #9

    Emma (Montag, 20 Juni 2022 21:20)

    Oh wie schön! Das klingt nach einem herrlichen Auftritt - für das Publikum und die Sängerin! Das freut einen sehr zu lesen!

Nicole Schipplick

Tel. 0175 - 165 40 30

Kölner Str. 25 · 33647 Bielefeld

hallo@nicole-schipplick.de